Konzeption

Liebe Leserinnen und Leser,

auf Grund der Erweiterung und dem Umzug der Einrichtung in neue Räumlichkeiten, entspricht diese Konzeption nicht mehr dem aktuellen Stand und muss noch überarbeitet werden.

lächelndWir bitten um ihr Verständnis

 

Pädagogische Konzeption Kinderhaus Sterntaler

Gliederung:

1.Einleitung

2.Unsere Einrichtung

3. Unser Bild vom Kind

4. Die Rolle der Erzieherin


5. Räumliche Bedingungen

6. Der Tagesablauf

7. Ziele unserer Arbeit

8. Entwicklungsdokumentation

9. Elternarbeit

10. Eingewöhnungszeit und Bindungsaufbau

11. Ernährung und Hygiene


















1.Einleitung:

Betrachtet man die Lebenssituationen von Familien und die gesellschaftlichen Verhältnisse, so wird man feststellen, dass sie sich im Laufe der Jahre sehr verändert haben.

- Die „klassische „Familie (Mann, Frau und Kinder/Kinder) kommt immer weniger vor. Hinter dem Begriff der Familie verbergen sich heutzutage vielfältige Lebensformen- und Biografien.
- Die Berufstätigkeit von Müttern hat zugenommen.
- Viele Kinder wachsen ohne Geschwister auf.
- Die Zahl der allein erziehenden Elternteile steigt an.
- Das Lebensumfeld der Kinder ist oft nicht mehr kindgerecht. Beengte Wohnverhältnisse, wenig Spielmöglichkeiten vor der eigenen Haustür und weite Wege zu Spielplätzen, bedeuten erhebliche Einschränkungen von Spiel- und Erfahrungsmöglichkeiten für die Kinder.

Zudem hat sich das Bild vom kleinen Kind gewandelt. Es gibt mittlerweile Indizien dafür, dass Kleinkindern heute bereichernde Entwicklungsmöglichkeiten und erweiterte Erfahrungsräume geboten werden müssen. Kinder sind von Geburt an aktive Wesen, die vielerlei Erfahrungs- und Erforschungsmöglichkeiten für ihre Entwicklung benötigen.
Eine Kleinkindgruppe ist eine der Möglichkeiten die Entwicklung von Kindern unter drei zu fördern. Durch entsprechendes Spiel- und Arbeitsmaterial, anregende Raumgestaltung, Naturerfahrungen, Ruhemöglichkeiten und Rückzugsmöglichkeiten werden dem Kind vielfältige Entwicklungsreize geboten. Ein geregelter Tagesablauf mit Ritualen gibt dem Kind die nötige Sicherheit für seine Entwicklung in der Gruppe. Für die emotionale Entwicklung und den Erwerb sozialer Kompetenzen des Kleinkindes ist die Beziehung des Kindes zu anderen Kindern, aber auch zur Erziehrein sehr wichtig.

2. Unsere Einrichtung

Das Kinderhaus Sterntaler ist eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft. Der Gesellschafter der Einrichtung ist das Bremer Kinderhilfswerk „Aktion Hilfe für Kinder e.V“ .
Im Jahr 2004 wurde das Kinderhaus als eines der eigenen Projekte des Kinderhilfswerkes gegründet, mit dem Ziel nicht nur berufstätigen Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, sondern auch Familien die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden oder eine Unterstützung zur Erziehung benötigen, eine Anlaufstelle zu bieten.
Aus diesem Grund verfügt das Kinderhaus nicht nur über Ganztagsplätze, sondern auch Halbtagsplätze um flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen zu können. Zwei Plätze der Einrichtung werden erst im Verlaufe des Jahres besetzt, um für Notfälle bereit zu sein.
Die Beiträge sind einheitlich, Eltern die bezüglich ihres Einkommens den Beitrag nicht leisten können, haben die Möglichkeit über die wirtschaftliche Jugendhilfe unterstützt zu werden. In besonderen Fällen werden die Familien zusätzlich finanziell vom Gesellschafter bezuschusst.

Das Kinderhaus bildet, betreut und verpflegt zurzeit 10 Kinder im Alter von 1 – 3 Jahren. Geöffnet ist das Haus von 8 – 16 Uhr. Nach Bedarf wird ein Früh- und/oder Spätdienst angeboten.
15 Tage in den Sommerferien und zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt das Kinderhaus
geschlossen. Zusätzlich müssen sich die Eltern auf mindestens 2 pädagogische Planungstage einrichten.
Die Kinder werden von einer Erzieherin mit der Qualifikation zur Frühpädagogin, einen Heilerziehungspfleger und einer Springkraft betreut. Zusätzlich besteht das Team aus einer Hauswirtschafterin und einer Leitungskraft, bzw Geschäftsführerin.
Die Kinder werden in der Einrichtung voll versorgt.
In der Einrichtung gibt es einen großen Gruppenraum, einen Schlaf- und Differenzierungsraum, eine Küche, eine Garderobe, sanitäre Anlagen, einen Wickelraum, Kellerräume und ein kleines Außengelände.

Die Einrichtung befindet sich im Stadtteil Woltmershausen.
Das Haus liegt verkehrsgünstig an der Hauptstraße. Der Bus hält fast direkt vor der Tür. Nicht weit von der Einrichtung entfernt liegt ein Naherholungsgebiet an der Weser.

3.Unser Bild vom Kind oder was uns in unserer pädagogischen Arbeit leitet:

Bevor ein Kind in seiner Entwicklung gefördert werden kann, muss sich der Erwachsene darüber im Klaren sein, welches Bild vom Kind er in seinem Kopf hat. Ist es ein leeres Blatt, was beschrieben werden muss oder ein leeres Gefäß, welches mit bestimmten Fähig- und Fertigkeiten gefüllt werden sollte? Versteht der Erwachsene vielleicht die Erziehung eines Kindes als Prozess, in dem nur er bestimmt, was das Kind zu welchem Zeitpunkt braucht?
Wir pädagogischen Fachkräfte gehen davon aus, dass ein Kind mit allen Kompetenzen, die es für das Leben benötigt, schon von Geburt an ausgestattet ist. So kann es, z.B schreien, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Das, was das Kind schon von Anfang an mitbringt, wollen wir in den Mittelpunkt seiner Entwicklung stellen, denn die Entwicklung eines Kindes ist nicht planbar oder machbar, egal ob es schwierige oder förderliche Entwicklungsmöglichkeiten vorfindet.
Wir Mitarbeiter verstehen daher das Kind als „Akteur seiner Entwicklung“
Das bedeutet:
- Kinder wollen groß werden, daher leisten sie selber Entwicklungsarbeit an sich.
- Kinder sind neugierig und wollen die Welt mit allen ihren Sinnen erfahren
- Kinder wollen mit anderen kommunizieren ,durch Gestik, Mimik und Sprache
- Kinder sind von Geburt an aktiv handelnde Individuen. Sie sind, unter anderem, Forscher, Entdecker, wollen sich bewegen und tätig sein. Das ist der Motor der sie in der Entwicklung antreibt.
- Kinder merken durch ihr eigenes Tun und Lassen, die Auswirkungen/ Konsequenzen für ihre Zufriedenheit und das eigene Lernen.
- Kinder brauchen das Einfühlungsvermögen des Erwachsenen, sein Wohlwollen und seinen Halt für die Entwicklung.

4.Die Rolle der Pädagogen

Die pädagogische Fachkraft hat die Aufgabe den individuellen Entwicklungsprozess des Kindes zu begleiten und zu unterstützen.
Sie stellt zu dem Kind eine vertrauensvolle und liebvolle Beziehung her und gibt ihm damit die nötige Sicherheit, damit es aktiv die Welt erforschen kann.

Folgende Haltung und Verhaltensweisen dem Kind gegenüber finden wir wichtig:
- Wir pflegen einen respektvollen und partnerschaftlichen Umgang mit dem Kind
- Wir zeigen dem Kind Offenheit und Mitgefühl
- Wir helfen dem Kind bei der Kontaktaufnahme zu andern Personen und geben Hilfestellung bei der Bewältigung von Konflikten.
- Wir wollen die Interessen und Bedürfnisse des Kindes erkennen und angemessen darauf reagieren ,daher werden wir es genau beobachten
- Wir sprechen in einer verständlichen Sprache zu dem Kind.
- Wir kommunizieren mit dem Kind auf unterschiedliche Weisen und Möglichkeiten und wollen einander zuhören.
- Wir trösten das Kind bei Kummer, erfahrenem Unrecht oder einer Niederlage.
- Wir möchten dem Kind zeigen, dass wir ein Mensch mit unterschiedlichen Stimmungen und Gefühlen sind.
- Wir wollen nicht der Erwachsene sein, der immer recht hat und alles besser weis.
- Wir möchten dem Kind zeigen oder spüren lassen, dass es sich immer auf uns verlassen kann.
- Wir möchten uns mit dem Kind „entwickeln“, uns unsere Neugier und Motivation erhalten, uns öffnen für Neues und Unbekanntes.
- Wir schaffen für die Kinder und für uns eine Atmosphäre, in dem wir uns wohlfühlen können.

5. Räumliche Bedingungen:

Nicht nur an die Mitarbeiter werden die unterschiedlichsten Erwartungen gestellt, sondern auch die Räumlichkeiten der Kindergruppe müssen bestimmte Bedingungen bieten, um die Entwicklung der Kinder zu fördern. Nicht umsonst heißt es: “Der Raum als dritter Erzieher.“

Die kleinen Kinder brauchen in ihren Räumen die Möglichkeit zu experimentieren und zu forschen, alleine oder mit anderen zu spielen, sich zu bewegen oder sich zurückzuziehen und durch aktives Handeln Erfahrungen machen.
Wir ermöglichen den Kindern Raumerfahrungen wie oben und unten, vorne und hinten, warm und kalt, hell und dunkel, beweglich und ruhig. Die Sinne werden angeregt durch unterschiedliche Bodenbeläge, Spiegel, Blumen, Klangspiele , verschiedene Lichtquellen,Farben und vieles mehr.
Daher sind die Räume in unserer Kindergruppe in verschiedene Bereiche und Funktionen unterteilt:
Der Bereich für erste Rollenspiele, eine Bau- und Konstruktionsecke, eine ruhige Ecke zum Bilderbuch ansehen, oder um Musik zu hören, verschiedene Rückzugsmöglichkeiten (z.B unsere Bärenhöhle), Bereiche zum Spiel mit verschiedenen Materialien, zum Puzzeln und malen, eine Kreativwerkstatt, ein Bereich zum Schlafen oder Ausruhen, Bereiche für Bewegung und zum Anregen der Sinne.
Bei der Ausstattung der verschiedenen Bereiche verwenden wir vorrangig Material und Gegenstände, die dem Kleinkind aus dem Alltag oder der Natur bekannt sind.

Damit sich die Kinder in der Gruppe wohlfühlen und sich mit den Räumen identifizieren können ist es wichtig persönliche und bekannte Dinge und Sachen des Kindes mit einzubeziehen. Das heißt:
- Jedes Kind hat ein Eigentumskästchen für persönliche Sachen
- Es werden Fotos der Kinder aufgehängt
- Arbeiten, Bilder und gesammelte Gegenstände der Kinder werden aufgehangen oder ausgestellt
- Wichtige Dinge für das Kind, wie Schnuller, Schmusetuch und Trinkflasche haben ihren festen Platz.
- Der Garderobenplatz, Fächer, Zahnputzzeug usw., werden mit einfachen Symbolen oder Fotos der Kinder gekennzeichnet.

6.Der Tagesablauf:

Ebenso wichtig, wie der äußere Rahmen (Raumaufteilung und Ausstattung) ist ein innerer Rahmen (Struktur des pädagogischen Alltags) für die Kinder.

Ein immer wiederkehrender Tagesablauf mit festen Zeiten gibt dem Kleinkind Sicherheit und Orientierung. Er geht auf den Körperrhythmus des Kindes ein, auf sein Bedürfnis nach Aktion, Bewegung, Ruhezeiten und Nahrungsaufnahme.
Bestandteile unseres Tagesablaufes sehen, wie folgt aus:
- Ankommen der Kinder/Begrüßung
- Freispiel
- Morgenkreis
- Gemeinsames Frühstücken
- Körperpflege/Zähneputzen
- Angebote für Drinnen oder Draußen, gemeinsame Spiele
- Gemeinsames Mittagessen
- Körperpflege/Zähneputzen
- Abholphase für die ersten Kinder
- Schlafen oder Ausruhen
- Aufwachzeit und ruhige Angebote
- Anbieten einer Zwischenmahlzeit
- Freispiel Drinnen oder Draußen
- Abholzeit/Schlusskreis der letzen Kinder

Wichtige Situationen für die Kinder sind die Begrüßung und der Abschied. Jedes Kind wird morgens bewusst begrüßt und in Empfang genommen. Es soll deutlich merken, dass es uns willkommen ist und sich mit uns auf den Tag freuen.
Auch beim Abschied von den Eltern, oder später wieder von der Gruppe, braucht das Kind Unterstützung und Ermutigung, damit es weis, dass es in dieser Situation nicht alleingelassen wird. So können sie lernen eine schmerzhafte Situation zu bewältigen.
Ferner gehören Rituale zum Bestandteil des Tages. Sie fördern insbesondere das Zusammengehörigkeitsgefühl und schaffen Orientierung. Ein Ritual ist, unter anderem, der Morgenkreis. Natürlich feiern wir auch Feste in der Kindergruppe sie sind die Rituale innerhalb eines Jahres. Dazu gehören das Laternenfest, Weihnachten, Fasching und das Sommerfest. Vor allen der eigene Geburtstag wird als Höhepunkt von dem Kind empfunden werden. Das Kind steht im Mittelpunkt des Geschehens

7.Ziele unserer Arbeit:

In unserer pädagogischen Arbeit werden wir geleitet durch den Bremer Rahmen-und Bildungsplan. Er umfasst 7 verschiedene Bildungsbereiche. Keines der Bildungsbereiche
kann isoliert betrachtet und gefördert werden. Wir sprechen immer von einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung. Bei den Kleinkindern geht es noch nicht darum über instruktives Lernen Wissen und Kenntnisse zu vermitteln. Kinder im frühem Alter Lernen durch ausprobieren, ständige Wiederholung und Nachahmung. Das Kind selbst ist es, was sich entwickeln will. Als pädagogische Fachkräfte unterstützen wir das Kind bei diesem Prozess.
Für unsere tägliche pädagogische Arbeit möchten wir folgende Schwerpunkte herausheben:

Förderung der Wahrnehmung von sich selbst, anderen und der Umwelt
Wahrnehmung ist für Kleinkinder der Zugang zur Welt. Kleinkinder erobern ihre Welt mit allen ihren Sinnen. Sie wollen sie, im wahrsten Sinne des Wortes, “begreifen“ .
An diesem Prozess ist ihr ganzer Körper beteiligt .Zunächst nehmen die Kinder sich selber wahr, später erfolgt dann die Fremdwahrnehmung. Nur über die eigene gut ausgebildete Selbstwahrnehmung, kann eine differenzierte Fremdwahrnehmung erfolgen.
Die Kinder sollen bei uns die Möglichkeit bekommen, sich selber so zu akzeptieren, wie sie sind, mit allen ihren Stärken und Schwächen. Wir sind der Meinung, nur wer sich selber gut kennt und mit sich zufrieden ist, wird offen auf andere Menschen zugehen, und sie so annehmen, wie sie sind. Die Kinder sollen in ihrer Unterschiedlichkeit voneinander und miteinander lernen.
Auch im Umgang mit den Dingen erfahren die Kleinkinder viel über sich selbst und die Umwelt. Beispiel: Der Ball ist rund und rollt weg, wenn ich ihn anschubse, wie weit, kann ich selber beeinflussen. Die Kleinkinder überprüfen ihre Wahrnehmung oft durch ständiges wiederholen der Aktion.

Bewegungsförderung
Kinder bewegen sich gerne, sie wollen krabbeln, hüpfen, sich bücken, springen, balancieren und vieles mehr. Bewegung ist Ausdruck von Leben, dadurch erfährt das Kind etwas über sich und seine Umwelt. Zudem ist Bewegung die Voraussetzung für alle Lebensabläufe wie Nahrungsaufnahme - ausscheidung, Atmung, Fortbewegung Sprache und Gefühle.
Im Kinderhaus findet täglich Bewegung statt. Entweder wird im Gruppenraum eine Bewegungslandschaft aufgebaut, oder zum Turnen in die Sporthalle gegangen. Die Kinder werden durch die Raumausstattung zum Bewegen animiert, ebenso wie durch Singspiel, Bewegungslieder und Naturerkundungen.

Sammeln von Naturerfahrungen
Wir möchten den Kindern die Möglichkeit geben die Natur als Spielort zu erleben. Äste, Blätter, Kastanien und vieles mehr werden von den Kindern als nicht vorgefertigtes „Spielzeug“ erlebt. Die Kleinkinder lernen die Natur kennen seinen Jahresrhythmus und werden sensibilisiert für den Umwelt- und Naturschutz. So wird der Marienkäfer eben nicht in die Hosentasche gesteckt sondern wieder auf ein Blatt gesetzt.
Die Kinder erleben die unterschiedlichen Elemente wie Wasser, Sand, Luft und Feuer. Sie gehören zu den existenziellen Lebensgrundlagen der Menschen.

Die Bewegung an der frischen Luft bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen stärkt das
Immunsystem des Kleinkindes und fördert seine Gesundheit.



Förderung der Kreativität

Kreativität bedeutet sich schöpferisch ausdrücken zu können. Dazu bedarf es die Fähigkeit mit unseren Sinnen wahrzunehmen.
Vorstellungskraft, Fantasie, Mut gehören auch dazu. Durch das Spiel und das Experimentieren erfahren die Kinder viel über die verschiedene Beschaffenheit und Eigenschaft der unterschiedlichen Materialien. Wir bieten den Kindern Zugang zu unterschiedlichem Material, regen es an neues auszuprobieren und ermutigen sie nicht aufzugeben, wenn etwas nicht gleich gelingt. Die Kinder erfahren, dass sie in den kreativen Prozessen etwas bewirken können, sie lernen alleine Probleme zu lösen indem sie immer wieder zum ausprobieren angeregt werden. Sie erfahren die Freude und Bestätigung, wenn ihnen etwas gelingt, lernen aber auch mit Frustrationen umzugehen, wenn nicht gleich etwas funktioniert.

8.Entwicklungsdokumentation

Grundlage unseres pädagogischen Handelns ist die systematische Beobachtung des Kindes. Für jedes Kind wird eine individuelle Lern- und Entwicklungsdokumentation erstellt. Kurz auch LED genannt. In unserer Einrichtung legen wir mit den Kindern ein Portfolio an - lateinisch von portare= tragen, folia= Blätter. Portfolio im Sinne der LED sammelt oder ordnet Produkte, welche die Lernbiografie des Kindes bzw. seine Entwicklung dokumentieren. Das Portfolio bietet eine gute Möglichkeit mit Bildern und erzählenden Texten auch die Entwicklungsschritte des Kindes festzuhalten, welches die emotionalen Aspekte wie Freude, Stolz, Wut, Staunen usw. zeigen.
Außerdem führen wir mit den älteren Kindern ein Kinderinterview durch. Durch aufmerksames Zuhören und Fragen ergründen wir die Bedürfnisse und Interessen der Kinder. Auf der Basis der so gewonnenen Erkenntnisse können Hypothesen zur Begleitung von Erziehungsprozessen entwickelt werden. Diese werden laufend überprüft und angepasst. Wir stellen Material und Raum zur Verfügung, damit das Kind zu seiner Zeit einen weiteren Schritt in seiner Entwicklung gehen kann.


9.Elternarbeit:

Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist eine wichtige Grundlage für unsere pädagogische Arbeit. denn sie sind die wichtigsten Personen im Leben des Kindes. Gemeinsam möchten wir mit ihnen die Entwicklung ihres Kindes begleiten. Dafür sind gegenseitiges Vertrauen und Akzeptanz unerlässlich.
Die Eltern bringen ihr Kind vielleicht das erste Mal in eine Kindergruppe. Die Einrichtung mit ihren Regeln und Abläufen müssen erst kennengelernt werden Die Eltern vertrauen ihr Kind für sie fremden Personen an, in der Hoffnung, dass sie liebevoll mit ihm umgehen und sich um das Kind angemessen kümmern. Die Erzieher müssen auf die Anforderungen eines, für sie noch fremden, Kindes angemessen reagieren und ihm die Trennung von den Eltern erleichtern. Das Ganze funktioniert nur, wenn ein ständiger Dialog mit den Eltern entsteht und von beiden Seiten eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut wird. Eltern möchten mit ihren Ängsten, Sorgen und Vorstellung von Erziehung ernstgenommen werden. Wir Mitarbeiter erwarten nicht, dass wir mit den Eltern immer einer Meinung sein werden, aber wir halten eine grundsätzliche Haltung der Akzeptanz unserer Arbeit gegenüber für sehr wichtig. Wir möchten schließlich nicht gegeneinander, sondern miteinander, zum Wohle des Kindes, arbeiten.

Wir verstehen unter Elternarbeit:

- Partnerschaftliche Zusammenarbeit
- Anerkennung der Eltern als Experten ihres Kindes
- Die Unterstützung und Begleitung der Eltern bei der Eingewöhnung des Kindes in die Gruppe
- Das Anbieten vielfältiger Gesprächsmöglichkeiten, wie feste Termine um über die Entwicklung des Kindes zu berichten, Tür und Angelgespräche, Austausch von Informationen
- Regelmäßige Elternabende
- Themenelternabende
- Gemeinsam Feste planen und feiern
- Einbringen in die pädagogische Arbeit
- Mitgestaltung der Räume


10.Eingewöhnungszeit und Bindungsaufbau

Wird ein kleines Kind zu uns in die Einrichtung gebracht, bedeutet das oft die erste längere Trennung von den Eltern. Eltern und Kind müssen sich erst einmal im Haus zurechtfinden.
Die Eingewöhnungszeit verläuft für das Kind immer dann am Besten, je besser es eine Bindung zu der pädagogischen Fachkraft aufbauen kann.

Da unsere Kinder sehr viel Zeit in unsere Einrichtung verbringen, ist es wichtig eine gute Beziehung zu ihnen zu haben. Wir wollen für die Kinder eine Bezugsperson sein, die auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen kann, z.B.: nach dem Bedürfnis nach Nähe, nach Spiel- und Lernimpulsen und auch nach Grenzen. Wir sind für die Kinder Bezugspersonen und geben ihnen Sicherheit damit sie sich mit ihrer Umwelt auseinander setzten können. Auf diese Weise entwickeln sich die Kinder weiter. Bindung bedeutet für uns auch Bildung.
Aus diesem Grund hat die Eingewöhnungszeit in unserer Einrichtung einen hohen Stellenwert, in dieser Zeit gestalten wir die Bindungsbeziehung zu den Kindern. Außerdem schenken wir in dieser Zeit den Müttern viel Aufmerksamkeit. Vorrangig wird die Eingewöhnungszeit von den Müttern übernommen, daher stehen sie im Mittelpunkt der weiteren Beschreibung und Aussagen. Gleichwohl kann die Eingewöhnung auch von einer anderen konstanten Bezugsperson übernommen werden.
Wir unterscheiden da die Trennungsangst der Kinder und die Trennungsangst der Mütter, denn die mütterlichen Ängste können das Kind stark in seiner Sicherheit beeinflussen. So konnten einige Mütter ihr Kind gar nicht „freigeben“, sie haben es permanent bespielt und uns gar keine Chance gelassen zudem Kind eine Beziehung aufzubauen. Dann gab es auch schon mal Tränenausbrüche von Müttern, weil sie den Raum verlassen sollten. Darauf hin haben wir beschlossen, die Eingewöhnung nicht nur für die Kinder zu gestalten, sondern auch für die Mütter. Und zwar auf eine sensible und verständnisvolle Weise, individuell an jedes Kind angepasst.
Schließlich geben sie ihr wichtigstes, ihr Kind, in andere Hände. Die Säuglingszeit ist gerade erst vorbei, in dem das Kind ständig umsorgt werden musste und sich die Mutter vielleicht als „ unersetzliche“ Person fühlte. Dann zu sehen, dass ihr Kind von jemand Anderen umsorgt wird und das ihr Kind diese Person vielleicht noch akzeptiert, fällt vielen Müttern schwer. Während der Eingewöhnungsphase werden das Kind und die Eltern eng von ihrer Bezugserzieherin/Erzieher begleitet. Kontinuität und Vertrauen spielen in dieser Zeit eine wichtige Rolle.
Informationselternabend
Zwei Monate bevor das neue Kindergartenjahr beginnt, laden wir alle neuen Eltern zu einem Informationselternabend ein. Nach dem ersten Kennen lernen berichten wir über unsere Arbeit und geben Informationen über das Haus, die Abläufe, pädagogische Zielsetzungen und über die Gestaltung der Eingewöhnungszeit.
Mit Hilfe eines Fragebogens sollen die Eltern ihre Erwartungen und Ängste in Bezug auf die Eingewöhnung aufschreiben. Folgende Fragen waren zu beantworten:
Wie fühle ich mich, in Hinblick darauf, dass mein Kind demnächst eine Kindergruppe besucht?
Welche Erwartung habe ich, in Bezug auf die Eingewöhnungszeit, in das Kinderhaus?
Welche Erwartungshaltung habe ich an mich, in Bezug auf die Eingewöhnung meines Kindes?
Mit diesem Elternabend und auch mit dem Fragebogen, sollen sich die Bezugspersonen auf die kommende Eingewöhnungszeit einstellen. Sie wissen dann, was auf sie zu kommt und können sich mit ihren eigen Gefühlen auseinander setzten.
Eltern- Kind- Nachmittag
Am ersten Kindergartentag laden wir alle „neuen“ und „alten“ Eltern und Kinder zu einem gemeinsamen Nachmittag ein. Bei Kaffee und Kuchen haben alle Zeit sich kennen zu lernen und die „neuen“ Eltern können sich mit den „alten“ Eltern austauschen.
In unserer Einrichtung orientieren wir uns bei der Eingewöhnung an dem Berliner Eingewöhnungsmodell.
Das Berliner Eingewöhnungsmodell basiert auf den grundlegenden Annahmen der Bindungstheorien und beschreibt eine kindorientierte Gestaltung dieser Übergänge.
In den ersten drei Tagen sind Mutter und Kind jeweils eine Stunde in der Einrichtung. Diese Zeit nutzen wir, um zu Beobachten wie sich das Kind verhält: Geht das Kind alleine durch den Raum und erkundet das neue Spielmaterial, geht es auf die Erzieher zu oder bleibt es eher bei der Mutter. Außerdem haben wir Zeit mit der Mutter zu sprechen und Gewohnheiten und Vorlieben der Kinder zu erfragen.
Nach diesen drei Tagen besprechen wir mit der Mutter, wie wir weiter vorgehen. Wir fragen sie wie sie sich fühlt und wie sie ihr Kind bei der ersten Ablösung einschätzt. Nach dem ersten Trennungsversuch besprechen wir, wie die Eingewöhnungszeit weiter läuft, diese wird dann ganz individuell gestaltet.
Wenn die Trennung gut funktioniert steigern wir die Zeit, die das Kind ohne Mutter in der Einrichtung verbringt Tag für Tag.
Erst eine halbe Stunde, am nächsten Tag eine Stunde. Dann kommt es zum Frühstück und bleibt zwei Stunden, am nächsten Tag bleibt es vom Frühstück bis nach dem Mittagessen, bis das Kind irgendwann den ganzen Tag da ist. Dieser Verlauf kann ein bis drei Wochen dauern.
In denn Trennungsphasen bleiben wir mit den Müttern in Kontakt. Wir rufen sie an und informieren sie über die Aktivitäten ihres Kindes. Je nach Situation entscheiden wir, ob die Abholzeit vorverlegt oder sogar später erfolgen kann.
Wenn das Kind abgeholt wird, geben wir noch einmal eine Rückmeldung an die Mutter wie die Zeit für das Kind verlaufen ist und wie ihr befinden ist.

11.Gesundheit und Ernährung
Die Kinder unserer Einrichtung erhalten bei uns ein Frühstück, Mittagessen und Zwischenmahlzeiten, welches nach den kulturellen und diätischen Gegebenheiten zubereitet werden.
Bei der Nahrungsaufnahme geht es uns nicht nur um eine gesunde und ausgewogene Kost, sondern auch um die sozialen Aspekte des gemeinsamen Essens
In der frühen Kindheit lernen die Kinder den Umgang mit Essen und Trinken und nehmen Gewohnheiten an, die ihre Gesundheit bis ins Erwachsenenalter mitbestimmt. Wir verstehen die Krippe als Lernort für gesundes und genussvolles Essen.
Die Kinder werden in die Vorbereitung der Mahlzeiten mit einbezogen. So erfahren sie, wie zum Beispiel, aus Karotten und Möhren ein Eintopf entsteht. Die Kinder werden an Nahrungsmittel von unterschiedlicher Konsistenz herangeführt. Süß, sauer, bitter, salzig, hart oder weich, knusprig, breiig; das sind nur einige Dinge die die Kinder im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme bei uns erfahren können.
Bei der Ernährung und der Gesundheit der Kinder orientieren wir uns an den Empfehlungen von BIPS. ( Bremer Institut für Prävention und Sozialmedizin)
Sie stellen für das hauswirtschaftliche und pädagogische Personal eine Grundlage für gute Ernährungs- und Hygienepraxis in unserem Kinderhaus dar.
Diese Empfehlungen beinhalten, unter anderem, folgende Aspekte:

• Strukturqualität, Anforderungen an Räumlichkeiten, Personal, Haushaltsgeräte
• Essensversorgung im ersten Lebensjahr, Dokumentation von Ess / Trinkverhalten, Einführung von Beikost
• Kritische Kontrollpunkte im Umgang mit Lebensmitteln , Umgang mit Muttermilch und versch. Nahrungsmitteln wie Eier , Fleisch etc.
• Infektionsschutzgesetz, Belehrung des Personals
• Zusammenarbeit mit Eltern, Infos über Mahlzeiten, Esskultur in der Einrichtung, Speiseplan
• Räumliche Bedingungen und Ausstattung beim Essen, geeignete Fütter- und Essplätze, Geschirr zur selbstständigen Nutzung durch die Kinder ( Kleine Kannen etc.)
• Hygieneanforderungen an Räume , Vorrichtungen, Geräte und Personal
• Leitlinien im Umgang mit Lebensmitteln, Dokumentationen ,Kontrolllisten
• Schulung des Personals
• Begleitung in Fachfragen